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Felder Group

Große Investitionen in den Standort

Martin Felder, Geschäftsführer der Felder-Gruppe, über den weiteren Ausbau des Unternehmens, die wichtige Rolle von Forschung und Entwicklung, die nötige Internationalisierung und die Konkurrenz aus Asien.

Rund 25 Millionen Euro will die Felder-Gruppe im kommenden Jahr in den heimatlichen Standort in Hall in Tirol investieren. „Wir stecken seit vielen Jahren viel Geld in die Forschung und Entwicklung und das rentiert sich langfristig, oder auch mittelfristig. Auf Grund dessen werden wir nächstes Jahr noch einmal massiv ausbauen. Die Verfahren, sei es die Flächenwidmung, der Bebauungsplan, usw. werden wir in Kürze hoffentlich hinter uns gebracht haben, so dass wir nächstes Jahr, mit mindestens einer Baustufe, starten können“, erklärt Martin Felder und detailliert: „Das ist zum einen eine Produktionshalle und was noch dazu kommen soll, ist die Erweiterung des Versandbereiches. Wir werden dementsprechend natürlich auch in neue Maschinen und neue Einrichtungen investieren, aber natürlich auch neue Mitarbeiter benötigen.“

Eigentlich wäre dieser Ausbau bereits für 2016 geplant gewesen, aber es kam zu Verzögerungen, wie Martin Felder ausführt: „Wir haben sehr viel Mitbewerber aus dem asiatischen Markt und das nicht nur bei einfachen, sondern auch bei komplexen Produkten. Das heißt, wir halten in erster Linie mit Qualität dagegen und in zweiter Linie mit schneller Verfügbarkeit. Da hat es uns heuer leider einiges gekostet, dass wir zu langsam mit dem Ausbau waren. Wir hätten heuer unsere ganzen Erweiterungsschritte schon durchziehen sollen, haben das aber nicht geschafft, da die gesamten Genehmigungsverfahren trotz viel Unterstützung von Stadt und Land viel Zeit in Anspruch nehmen.“ Der Unternehmer präzisiert seine Kritik: „Wenn die Wirtschaft Geschwindigkeit benötigt, dann ist der Bürokratismus in Österreich extrem hoch. Da stellt sich schon die Frage, ob der Standort das auf die Dauer aushält. Aber anstatt, dass man die Vorschriftenlage entwirrt, wird es jedes Jahr noch schlimmer. Das muss ich sagen, ist eine ganz große Belastung für alle.“ Ein Vergleich mit Ländern aus dem Osten, wie etwa Polen, Bulgarien oder Slowenien, ärgert den Unternehmer. Förderungen von 50 bis 75 Prozent und nicht vergleichbare Grundstückspreise, wären international gesehen ein riesen Nachteil.

96 Prozent des Umsatzes der Felder-Gruppe wird im Export getätigt. „Die Internationalisierung ist nach wie vor unser stärkstes Glied. Wobei ich dazu in aller Klarheit sagen möchte, dass uns nach wie vor Österreich sehr wichtig ist. Der Heimmarkt ist für uns keineswegs das fünfte Rad am Wagen, sondern ganz entscheidend und den wollen wir vernünftig bedienen“,   erläutert Martin Felder und verspricht: „Technologisch wird sich auch in Zukunft bei der Felder-Gruppe viel tun. Die Kunden dürfen sich auch im nächsten Jahr auf viele Innovationen freuen. Langfristig sind Forschung und Entwicklung das, was uns auf diesem Standort zum Erfolg führen wird. Denn an einem Hochpreisstandort wie der unsere es ist, ist es sehr schwierig über den Preis zu punkten.“

Daher wird in Automatisierung, Mitarbeiterschulung und vieles mehr investiert, um konkurrenzfähig zu bleiben. „Darum schmerzen uns Diskussionen wie eine Wertschöpfungsabgabe natürlich sehr. Wenn das auch noch kommt, muss man sich fragen, wie sollen wir das auch noch schaffen. Wir können ja nur mit höchster Rationalisierung und Einsatz dagegen halten. Wenn man das auch noch einführen will, dann wird es ganz schwierig für den Standort, logischerweise“, appelliert Martin Felder an die Vernunft der politischen Verantwortlichen.

Interview anlässlich des Offenen Werkstores 2016

Was bedeutet Ihnen die Region Hall-Wattens als Standort?

Martin Felder: Grundsätzlich ist es von der Anbindung her schon ein interessanter Standort,  mit den kurzen Wegen zur Anbindung  von Autobahn und mit nahem Flughafen. Aber der Standort hat logischerweise seine Vor- und Nachteile. Da ist zum einen das Raumproblem zu nennen, das extrem vorhanden ist und wo die Politik gefordert ist, Raumordnung zu betreiben, so dass man letztendlich nicht nur Wohnraum schafft, sondern auch Platz für Arbeitsplätze. Das vermissen wir schon sehr. Es wird zwar sehr stark in die Bahninfrastruktur für internationale Schienenwege investiert, aber man vergisst beim Bevölkerungswachstum in Tirol, dass man auch Raum für Arbeit braucht. Hier ist das Land gefordert, vernünftige Maßnahmen so rasch als möglich einzuleiten.

Welche Rahmenbedingungen sind notwendig, um Ihren Standort für die Zukunft zu sichern?

Ing. Hansjörg Felder: Die Rahmenordnung, die hier nötig ist, hat mein Bruder zum Teil schon angesprochen. Es muss für einen Betrieb auch in Zukunft die Gelegenheit geben, Material zu- und abzuliefern. Wenn wir in unseren Aktivitäten soweit eingeschränkt werden, dass LKW´s heutzutage fast doppelt so teuer sind, wenn sie nach Tirol reinfahren wollen, als nach Südbayern, dann wird es Stück für Stück schwieriger hier noch zu produzieren. Der dritte Punkt ist, wenn wir unsere Bauverfahren anschauen, die wir vor fünfzehn Jahren gehabt haben, und die wir heute haben, ist es trotz Zusicherung der Politik so, dass wir heute den dreifachen Zeitraum benötigen und die vierfachen Behördenverfahren haben. Eine weitere Problematik ist es, Mitarbeiter in der Inntalfurche zu bekommen. Es wird immer schwieriger Personal zu finden, egal für welchen Arbeitsplatz, ob das für die Produktion ist, Verkauf, Service, Forschung- und Entwicklung. Denn wir als internationaler Betrieb müssen auch gewisse Rahmenbedingungen einhalten, um unser Produkt weltweit zu verkaufen.

Worin sehen Sie mittelfristig die größte Herausforderung für Ihr Unternehmen?

Martin Felder: Ein Thema sind  die Lohnnebenkosten bei den Mitarbeiter. Wenn man schaut, dass man sich wegen 0,4 Prozent weniger Lohnnebenkosten brüstet und ich dann über die Grenze schaue, wo man zehn Prozent weniger hat, und ich vergleiche, dass ich um das Geld, das bei uns ein Hilfsarbeiter kostet, eine Fachkraft bekomme, dann muss sich die Politik klar werden, wo die Reise hingehen soll. Wir, die Familie und der Betrieb FELDER sind extrem verbunden mit Tirol, aber es geht nur so lange, wie du es halten kannst. Das ist etwas, was wir der Politik immer wieder versuchen, nahezubringen. Das Verständnis ist zum Teil nicht so vorhanden. Das kommt daher, dass die Leute die Geschwindigkeit auch nicht so sehen. Entwicklungen passieren heute im extremen Tempo. Wir sehen das bei Tischler in Frankreich, innerhalb von fünf Jahren zerschlagen sich da ganze Strukturen. Und die Geschwindigkeit wird bei uns übersehen. Speziell wenn ich in Österreich schaue, wir verlieren ein Ranking nach dem anderen. Aber regt das irgendjemanden auf? Egal ob das Bildung, der Wirtschaftsstandort, oder sonst etwas. Das macht es für uns zunehmend schwieriger hier zu produzieren oder ein Geschäft zu betreiben. Die Rahmenbedingungen sind schwierig, wenn ich 2 – 300,- Euro pro Quadratmeter für einen Industriegrund zahle, wo ich überall anders diesen in ein- und zweistelligem Euro Bereich bekomme.
Ing. Hansjörg Felder: Wir reden auch nie über das was die Leute netto in die Hand bekommen. Wir reden über die Brutto-Kosten, die Gesamtkosten. Was die Leute netto bekommen ist im Vergleich zu anderen Ländern wesentlich niedriger. Wenn sich Belgien vorgenommen hat, in dieser Legislaturperiode, die Lohnnebenkosten von knapp 40% auf 25% zu senken, das nehme ich als Herausforderung an. 0,4% oder zweistellig, das sind zwei Paar Schuhe.

Welche Ansprüche stellen Sie an potenzielle Bewerber & Lehrlinge? Was bieten Sie Ihren Mitarbeitern?

Ing. Hansjörg Felder: Wenn man Felder Maschinenbau hört, dann glauben viele, das hat nur mit Metall zu tun. Bei uns ist auch eine Duale-Ausbildung im Werbebereich, im Verkauf und in vielen anderen Bereichen des Betriebes möglich. Das geht weit über den Maschinenbau hinaus, da wir uns als Gesamtanbieter verstehen, der das gesamte Package von der Konstruktion, über die Produktion, hin zur Logistik und Werbung abdeckt. Was bieten wir unseren Mitarbeitern? Das einfachste wäre zu sagen, eine faire Entlohnung. Es gibt bei uns ganz selten eine Struktur, wo Leute von außen herein kommen und hier eine Managementposition übernehmen. Fast alle Managementpositionen im Betrieb und sogar bei Tochterunternehmen werden von Leuten besetzt, die hier in welcher Position, vom Lehrling oder Verkaufsleiter, angefangen haben. Wenn sich jemand weiterentwickeln will, kann er sich weiterbilden, wenn er das Zeug dazu hat.  
Martin Felder: Wir brauchen fähige Mitarbeiter. Eine Produktionsmaschine kostet heute zwischen 700.000,- bis zu 1 Mio. Euro. Da kann ich keinen hin stellen, der eins und eins nicht zusammenzählen kann. Der, der programmiert und steuert, der muss mit Kopf arbeiten können, sonst geht das nicht. Da reden wir vom Dualen Bereich, der bei uns extrem wichtig ist, denn wir wissen, dass die Fachkraft letztendlich der Garant für Exporterfolge ist. Aber was tue ich, wenn ich die Leute einfach nicht mehr bekomme? Wir wissen die Duale-Ausbildung nimmt konstant ab und damit auch das Potential an jungen Mitarbeitern, die du bekommen kannst. Wir haben eine Felder-Academy, wo wir sehr viel Geld in die Aus- und Weiterbildung investieren. Ich glaube das sind im Jahr so neunzig bis hundert Ausbildungen, die wir intern bestreiten. Das geht von der Lehrlingsausbildung bis zur Mitarbeiter-, Führungsausbildung. Das machen wir so schon seit fünfzehn Jahren. Denn wir wissen, dass Aus- und Weiterbildung der Schlüssel ist. Allgemein ist für uns das Wohlfühlen der Mitarbeiter in unserem Rahmen sehr wichtig.

Worin gründet sich Ihr Erfolg?

Martin Felder: Der wichtigste Punkt ist, dass wir sehr innovativ sind. Wir investieren sehr, sehr viel Geld in neue Entwicklungen und neue Produkte. Das sichert langfristig die Möglichkeit dabei zu sein. Wir wissen alle, dass heute Entwicklungen extrem schnell voranschreiten und ein Jahr schlafen kann bedeuten, dass das zu viel war. Die Halbwertzeit der Produkte ist extrem kurz geworden. Bei uns ist es einfach unser Package das den Unterschied ausmacht, denn wir sind nicht nur Hersteller. Wir sind der Partner des Kunden und das fast auf der ganzen Welt. Wir haben unsere eigenen Vertriebstöchter in den verschiedenen Ländern und verkaufen nicht an einen Händler, der dann an den Kunden verkauft, sondern wir sind in den meisten Fällen der direkte Lieferant an den Kunden. Das bedeutet wir haben ein sehr gutes Feedback, was funktioniert und was nicht. Diese Art der Kommunikation und des Verkaufes haben wir vor vielen Jahren begonnen und die hat sich auch über die Krisen hinweg als krisenfester erwiesen. Und natürlich die dementsprechende Internationalisierung. Wenn man in unsere Mitarbeiterschaft hineinsieht, dann haben wir alleine in Hall an die zwanzig Nationen vertreten. Das ist überall durchmischt, nicht nur in der Produktion, genauso im Vertrieb. Die Internationalisierung ist eines der Hauptthemen, denn wir haben einen Exportanteil der weit über neunzig Prozent hinausgeht.

Welche Maßnahmen setzen Sie in Bezug auf Umweltschutz und gute Nachbarschaft?

Martin Felder: Wir heizen alles mit Gas und sind ein sehr klimafreundlicher Betrieb. Als Maschinenbauer fallen bei uns fast keine Emissionen an. Wir stehen für einen klaren Umweltschutz, da wir glauben, das ist etwas, was wir unseren Kindern hinterlassen sollen. Wir sind bedacht auf eine gute Nachbarschaft.
Ing. Hansjörg Felder: Dazu muss man sagen, dass wir 1989 hier auf einem sehr kleinen Fleck angesiedelt waren und die Entwicklung nur aufgrund guter Nachbarschaft möglich war. Wir haben hier Leuten, die kleine Einfamilienhäuser gehabt haben, geholfen auszusiedeln. Damit das Gebiet, so wie es heute ist, als Gewerbegebiet zusammengefasst werden konnte. Das ist nicht unter Druck oder Zwang geschehen. Wir haben uns auch sehr bei der Gemeinde eingesetzt, damit in Kürze eine Haltestelle für die S-Bahn in diesem Gewerbegebiet Hall West / Thaur gebaut wird, was für alle von Nutzen ist. Das geschah auch aus Umweltschutzgründen, damit nicht jeder mit seinem Privatauto daherkommt, sondern ein öffentliches Verkehrsmittel nützt.

 

Persönliche Fragen:

Ich lerne von…
Ing. Hansjörg Felder: Ich lerne aus der Geschichte für die Zukunft und denke dabei an den Spruch: Wenn du nicht weißt, wo du herkommst, dann weißt du nicht wohin du gehst. Das zweite ist: Ich lerne und werde befruchtet von den sehr vielen internationalen Kulturen, die wir beliefern. Dieses gegenseitige Bereichern, das immer wieder beschworen wird, hilft, um die Augen aufzumachen und das Ganze zu erkennen.
Martin Felder: Ich bin bereit zu lernen und bin froh, wenn ich lernen kann. Lernen heißt für mich, letztlich die Augen offen zu halten und nicht an einen Guru zu glauben, sondern am Puls der Zeit zu sein und Trends zu erkennen.

Ich würde gerne erfinden…
Ing. Hansjörg Felder: Ich würde für mich gerne das Beamen erfinden, um das Reisen abzuschaffen.
Martin Felder: Mein Traum wäre die virtuelle Herstellung von Waren. Dem kommen wir immer näher heran, wenn man an 3D-Drucker denkt, aber ich glaube, dass hier in der Zukunft sehr viel möglich sein wird.


Ich freue mich auf …
Martin Felder: Als Geschäftsmann auf jedes erfolgreich abgeschlossene Jahr. Ich freue mich auf Produkte, die letztlich vom Kunden angenommen werden und auch dementsprechend Erfolg bringen.
Ing. Hansjörg Felder: Auf meine nächsten hoffentlich kommenden freien Tage.