Kontakt

Stadtmarketing Hall in Tirol


Unterer Stadtplatz 19
6060 Hall in Tirol
E-mail


Ragg GmbH

Neue Technik und viel Engagement

Seit fast siebzig Jahren wird bei der Ragg GmbH in Form von umweltbewusstem Recycling am Rohstoff der Zukunft gearbeitet . Am Standort in Hall in Tirol ist der Kreislauf von Produktion, Konsum und Wiederverwertung in seiner deutlichsten Form erkennbar. Mit der Investition in eine neue und genauere Nichteisen -Sortieranlage beschreitet das Unternehmen einen weiteren Schritt in die Spezialisierung.

Das neue technische Highlight, das derzeit direkt neben der großen Shredderanlage errichtet wird, ist wie Petra Mussmann von der Geschäftsführung der Ragg GmbH bestätigt, eine Innovation, die in dieser Form noch nirgends eingesetzt wird: „Das ist ein Projekt, das lange gereift ist, denn diese Technologie gibt es nicht von der Stange zu kaufen. Die große Herausforderung dabei ist, dass die Anlage nicht von einem Anbieter kommt, sondern zusammengestellt werden muss. Dabei fließt viel Erfahrung und Know How des Unternehmens und unserer Mitarbeiter mit ein.“

Während bei der Shredderanlage etwa faustgroßes Material in Form von Eisenschrott erzeugt wird, können über die neue Anlage auch die verschiedensten Nichteisenmetalle sowie schwere Gummiteile getrennt werden. „Hier gehen wir weit tiefer als bisher und haben so einen sortenreicheren, verfeinerten Sortierprozess. Damit sind wir breiter aufgestellt und können unseren Kunden auch mehr bieten“, erklärt Petra Mussmann und detailliert: „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, dass diese Anlage direkt an den Shredder angrenzt, um den innerbetrieblichen Verkehr zu minimieren. Die Anlage kann parallel zum Shredder aber auch alleine betrieben werden. Sie wird mit speziellen Lärmschutzelementen eingehaust und soll noch vor Weihnachten in Betrieb gehen.“

Zwei bis drei neue Mitarbeiter werden für die neue Anlage benötigt. „Die Auftragslage ist zufriedenstellend. Die Anforderungen und Wünsche der Kunden haben sich allerdings in den Jahren geändert, denn früher sind unsere Lkw‘s zu den jeweiligen Betrieben gefahren und haben das lose Material abgeholt. Heute geschieht das viel spezifischer. Die Firmen wollen einen speziellen Container, offen, zu, individuelle Formen und Größen – von einem halben bis 34 m³ bieten wir diese an. Es ist sicher unsere Stärke, dass wir auf diese Bedürfnisse eingehen können. Allerdings benötigt man eben mehr und unterschiedlichere Container, mehr Lkw’s und Mitarbeiter. Deshalb erhöht sich der Mitarbeiterstand auch kontinuierlich und liegt derzeit bei etwa hundert Mitarbeitern. Wir haben ein super Team mit vielen jungen Mitarbeitern, die uns viel Freude bereiten“, berichtet die Geschäftsführerin von Ragg.

Weniger positiv sieht die Unternehmerin die weltweite Entwicklung des Stahlpreises, denn diese wirkt sich unmittelbar auf Ragg aus: „Wir haben heute das massive Problem, dass China viel zu viel Stahl produziert und dann zu Dumpingpreisen auf den europäischen Markt bringt. In China werden mit 804 Millionen Tonnen Stahl mittlerweile fünfzig Prozent der weltweiten Produktion hergestellt. Dabei beträgt die Überkapazität 325 Millionen Tonnen, im Vergleich dazu werden in der gesamten EU jährlich nur 166 Millionen Tonnen erzeugt! Damit gehen in Europa der Schrottpreis und auch die Nachfrage extrem zurück.“ Mit Spezialisierungen wie der neuen Anlage, aber auch mit Argumenten wie Qualität und Regionalität will der umweltbewusste Familienbetrieb der wachsenden internationalen Konkurrenz entgegentreten.

Interview anlässlich des Offenes Werkstores 2016

Was bedeutet Ihnen die Region Hall-Wattens als Standort?

Petra Mussmann: Unser Betrieb ist von Fulpmes über Innsbruck nach Hall gewachsen. Dieser Standort ist für uns sehr wichtig, besonders wegen der Verkehrslage und unserem Gleisanschluss. Wir können somit das aufbereitete Material fast zu 100 %per Bahn transportieren. Ein Betrieb unserer Art ist genehmigungstechnisch heute sehr aufwendig, daher sind wir froh, dass es so ist, wie es ist und wir sind grundsätzlich mit dem Standort Hall sehr zufrieden. Wir haben mit der Stadt ein sehr gutes Einvernehmen.

Welche Rahmenbedingungen sind notwendig um Ihren Standort für die Zukunft zu sichern?

Petra Mussmann: Wir sind davon abhängig, wie sich die Wirtschaft im Allgemeinen entwickelt. Denn unsere Kunden sind hauptsächlich Industriebetriebe, produzierende Betriebe, aber natürlich auch Gemeinden und Privatpersonen. Wenn die Wirtschaft schlecht läuft, dann geht auch der Anteil an Schrott zurück. Für die Rahmenbedingungen, die wir bräuchten, wäre ganz dringend eine Entbürokratisierung nötig. Unser Betrieb ist nach dem Abfallrecht genehmigt. Das bedeutet, obwohl die Materialien mit denen wir handeln, einen Wert haben und in unseren Augen Sekundärrohstoffe sind, werden sie per Gesetz als Abfall bewertet. Das bedeutet einen extremen Aufwand   bei Neugenehmigungen, Änderungen oder aber auch beim Meldewesen. Eine weiteres Thema sind Erweiterungsmöglichkeiten, die zum Beispiel wegen der Grundstückspreise kaum realisierbar sind, was aber im Inntal allgemein ein Problem darstellt.

Worin sehen Sie mittelfristig die größte Herausforderung für Ihr Unternehmen?

Petra Mussmann: Leider ist die Wirtschaft in vielen Bereichen – da geht es nicht nur um das Anlagenrecht, sondern auch etwa um das Arbeitsrecht oder um die Transporte auf der Straße –   mittlerweile mit so vielen Gesetzen konfrontiert, die unmöglich alle eingehalten werden können. Unsere Herausforderung ist es, dass die Wirtschaft gemeinsam die Politik dazu bewegen muss, diese Gesetzesflut zurückzunehmen. Im Grunde leidet die Wirtschaft massiv darunter und wir sind offenbar nicht im Stande, das gemeinsam zu ändern.

Welche Ansprüche stellen Sie an potenzielle Bewerber? Was bieten Sie Ihren Mitarbeitern?

Petra Mussmann: Die Ansprüche an unsere Mitarbeiter betreffen natürlich die einzelnen Bereiche, etwa dass jemand für das Büro eine entsprechende kaufmännische Ausbildung mit EDV-Kenntnissen hat, oder ein LKW-Fahrer den entsprechenden Führerschein besitzt. An und für sich gibt es keinen Lehrberuf „Schrotthändler“. Unsere Mitarbeiter sind aus den unterschiedlichsten Bereichen gekommen, vom Zimmerer, Fliesenleger bis zum Konditor. Wir bieten ihnen eine geregelte Arbeitszeit, einen sicheren Arbeitsplatz und ein gutes Betriebsklima. Bei unserer Betriebsgröße bekommt man noch mit, wenn es persönliche Probleme oder Erfreuliches, wie eine Hochzeit oder die Geburt eines Kindes, gibt. Es ist uns wichtig, dass unsere 95 Mitarbeiter das Zusammengehörigkeitsgefühl mittragen. Was die Weiterbildung betrifft – grundsätzlich kann jeder bei uns einen Kurs besuchen, der aus unserer Sicht sinnvoll ist. Das geht vom Lkw, über Stapler bis zur Betriebsfeuerwehr und diese Weiterbildungen kommen der Firma sicher auch zugute.

Worin gründet sich Ihr Erfolg?

Petra Mussmann: Ich denke, dass wir vorausschauend waren, was die Umweltinvestitionen betrifft. Hier haben wir über viele Jahrzehnte schon in verschiedenste Anlagen investiert, auch wenn es gesetzlich noch gar nicht vorgeschrieben war. Sei es etwa die komplette Befestigung des Firmengeländes, Ölabscheider, Entstaubungsanlagen oder die Ultrafiltrationsanlage, welche die Emulsion bei Spänen trennt. Oft   waren wir in Österreich sehr weit voraus und meist Vorreiter. Es war meiner Mutter immer schon wichtig, dass wir für unsere Umwelt keine Probleme bereiten. Damit waren wir immer in der Position, dass, wenn sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen änderten, wir bereits vieles installiert hatten. Das war auch für das Image oder bei Kontrollen durch die Behörde ein großer Vorteil.

Welche Maßnahmen setzen Sie in Bezug auf Umweltschutz und gute Nachbarschaft?

Petra Mussmann: Beim Umweltschutz waren wir - wie erwähnt - immer um einiges voraus, und sind nach wie vor   bestrebt aktuelle Verbesserungen umzusetzen. Mit unseren Nachbarn haben wir relativ wenige   Probleme. Natürlich gibt es bei einem derartigen Betrieb auch ein, zwei Beschwerden im Jahr, welche wir aber versuchen gemeinsam zu lösen. Wir haben keinen Wochenend- oder Schichtbetrieb und arbeiten in der Regel nur bis 17.00 Uhr.

 

Persönliche Fragen:

Ich lerne von…
meinen Kindern.

Ich würde gerne erfinden…
eine Maschine, die alle Waffen auf der Welt zerstört.

Ich freue mich auf…
den Schulabschluss meiner Kinder und damit auf eine Zeit ohne Hausaufgaben.