SWARCO

Orientierungshilfe wie von Zauberhandschrift

Wenn im nächtlichen Straßenverkehr scheinbar leuchtende Markierungen den sicheren Weg leiten, spielen winzige Mikroglasperlen dabei die Hauptrolle. Erst durch ihre retroreflektierende Wirkung wird die aufgetragene Farbe zum sichtbaren Verkehrselement.  SWARCO ist als Marktführer bei Lösungen für Straßenmarkierungen federführend.

Der Ausgangspunkt für diese kaum 1 mm im Durchmesser umfassenden Perlen sind Glasreste, wie Richard Neumann, Head of Corporate Communication & Marketing SWARCO Group, von der Firmenzentrale in Wattens erläutert: „SWARCO betreibt hier ein Upcycling, denn wir nutzen Flachglasbruch, welcher in der Glasproduktion, z.B. für  Fenster und Türen, anfällt. Wir kaufen dieses Abfallprodukt und erzeugen daraus ein Verkehrssicherheitsprodukt. Das geschieht in unseren Glasperlenwerken in Amstetten in Niederösterreich, in Recklinghausen in Deutschland, oder auch in den USA und in Saudi- Arabien.“

Glasgranulat im Schachtofen

Als erster Schritt wird dort das Recyclingglas kleingestampft. Es folgen weitere Zerkleinerungsprozesse bis zum feinen Glasgranulat als Ausgangsmaterial. „Nun geschieht ein physikalisches Phänomen. Denn im 1.200 Grad heißen Schachtofen nimmt das unrunde Glaskorn aufgrund der Oberflächenspannung automatisch die ideale Kugelform an“, beschreibt Neumann die Produktion und präzisiert: „Glasgranulat würde in einer Straßenmarkierung nicht das gewünschte Ergebnis erzielen. Erst die Kugelform erzeugt den benötigten Effekt, bei dem das Licht des Autoscheinwerfers zielgerichtet die Pigmentierung der Markierung zum Auge des Autofahrers zurückstrahlt. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die Straßenmarkierung aufleuchtet.“

In unseren Breitengraden startet die Markierungssaison auf den Straßen im April und endet im November. Trockener Asphalt und mindestens fünf Grad plus sind von Nöten. Die Applikation von Farbe und Mikroglasperlen erfolgt dabei automatisch mit modernen Markierungsmaschinen, so Neumann: „. Eine Düse spritzt das Markierungsmaterial auf die Straße, und Sekundenbruchteile später kommen die Glasperlen auf die frische Farbe. Diese betten sich zu etwa fünfzig Prozent ihres Umfangs ein und können dann ihre Verkehrssicherheitsfunktion bestens übernehmen. Bei durchschnittlicher Verkehrsbelastung wird einmal im Jahr markiert. “

Straßenmarkierungen mit Glasperlen gibt es seit den 1950er Jahren. Manfred Swarovski gründete 1969 das Unternehmen SWARCO mit dem Glasperlenwerk in Amstetten, im Wissen um die steigende Verkehrsentwicklung. Heute ist SWARCO die weltweite Nr. 2 bei Reflexglasperlen. Auch im Hinblick auf das autonome Fahren wird die Bedeutung von Bodenmarkierungen im Straßenverkehr noch steigen.

Umsatzhoch und Trendsetter (Artikel von 2017)

Weiterhin sehr erfolgreich entwickelt sich die SWARCO AG am Verkehrstechnologiemarkt. Umsatz, Mitarbeiterstand und Marktanteile wachsen in beeindruckender Weise. Dabei ist das Unternehmen, wie Richard Neumann, M.A., Head of Corporate Communication & Marketing, in der Firmenzentrale in Wattens erläutert, immer bemüht, Trends wie z.B. in der Elektromobilität mitzugestalten und diese aber auch zu setzen.

„Wir konnten 2015 ein neues All-Time-High unseres Umsatzes mit 582 Millionen Euro verzeichnen. SWARCO beschäftigt in der Zwischenzeit 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in über achtzig Firmen weltweit. SWARCO ruht nicht, sondern wird weiterhin versuchen, die Trends am Markt zu begleiten. Einer der wichtigsten Trends der jetzigen Zeit ist das Thema Elektromobilität, wo SWARCO mithilft, die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge auszubauen“, erklärt Richard Neumann und detailliert: „Mittlerweile bieten wir eine ganze Palette an unterschiedlichen Ladestationen an, wie Schnellladestationen mit Gleichstrom, Langsam-Ladestationen mit Wechselstrom, oder Wall-Boxes für den Heimgebrauch. All das sind Dinge, die zeigen, dass das Thema Elektromobilität nun an Fahrt aufnimmt.“ SWARCO folgt diesem Trend auch im eigenen Fuhrpark, und so werden Elektrofahrzeuge und sogar ein mit Wasserstoff betriebenes Brennstoffzellen-Fahrzeug, das 500 Kilometer weit mit einer Tankfüllung fahren kann, eingesetzt.

„Wir sind weiterhin auch im Systemgeschäft sehr aktiv. Eines unserer Leuchtturm-Projekte wird gerade in der schwedischen Hauptstadt Stockholm umgesetzt. Dort geht es darum, die zwei Häfen verkehrstechnisch zu managen und dabei das Verkehrswachstum, das vor allem durch den LKW-Frachtverkehr entsteht, besser in den Griff zu bekommen“, informiert der SWARCO-Marketingleiter. Die Schwierigkeit in Stockholm ist es, die vielen LKWs und Trailers ohne Zugmaschine, die im Hafen auflaufen, für den Weitertransport zu koordinieren. SWARCO sorgt nun dafür, dass diese Problematik durch verkehrstechnisches Management erfolgreich behoben wird. Schon im Gebiet des Hamburger Hafens hatte SWARCO zuvor das Verkehrsmanagement auf den Straßen organisiert.

International ist SWARCO längst ein bekannter Global Player, wie Richard Neumann bestätigt: „Ich komme gerade aus Australien, genauer gesagt aus Melbourne zurück, wo wir auf dem Weltkongress für Intelligente Verkehrssysteme ausgestellt haben. Man wird es kaum glauben, aber auch ein österreichisches Unternehmen kann am anderen Ende der Welt geschäftstechnisch erfolgreich sein. Wir haben in Sydney einen geschäftstüchtigen Partner und treiben mit ihm unsere Geschäfte dort voran. Das bezieht sich vor allem auf LED-Ampeln.“   Aber auch auf der anderen Seite des Globus ist SWARCO aktiv: „Wir haben jüngst unsere Marktposition im Bereich der Intelligent Transport Systems in den USA ausgebaut. Durch die Akquisition der Nummer Zwei am Markt, nämlich der Firma McCain in Kalifornien. Dadurch generieren wir zusätzliches Umsatzvolumen von ca. achtzig Millionen Dollar und haben weitere fünfhundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren Konzern dazu bekommen. Wir sind seit über vier Jahrzehnten in den USA ein sehr bekannter Marktteilnehmer im Bereich der Straßenmarkierungssysteme, und die Firma McCain ergänzt nun unser Portfolio vor allem durch die Verkehrssteuerungstechnik für Kreuzungen, aber auch durch Signaltechnik. Damit sind wir nun der weltweit größte Ampelhersteller, da auch in den USA für uns Ampeln hergestellt werden. Ein spannendes Unterfangen, das uns auch in Richtung Zukunft weiter beschäftigen wird.“

Welches Wachstum das Unternehmen bereits erfolgreich erlebt hat, zeigt die Erinnerung von Richard Neumann an seine Anfänge in Wattens: „Wir haben heute hier in der Konzernzentrale etwa siebzig Mitarbeiter. Vor 21 Jahren, als ich bei SWARCO anfing, waren es gerade einmal sechs Mitarbeiter. Da hat sich doch deutlich etwas getan. Auch für das nächste Jahr sind wieder einige zusätzliche Stellen am Stammsitz geplant.“

Interview anlässlich des Offenen Werkstores 2016

Was bedeutet Ihnen die Region Hall-Wattens als Standort?

Richard Neumann: Als Tiroler ist SWARCO-Gründer Manfred Swarovski seiner Heimat verbunden. Es war immer unser Ziel, dass wir in Tirol unsere Konzernzentrale ansiedeln. Seit 1993 ist das der Fall. Gegründet wurde SWARCO 1969 in Niederösterreich mit einer Glasperlenfabrik. Vom Standort in Tirol aus kommen wir über den Flughafen Innsbruck in alle Welt, was für uns wichtig ist, denn wir sind ja international aufgestellt und agieren in einem globalen Radius. Ich persönlich freue mich immer wieder darauf, wenn ich in das schöne Tirol zurückkomme und das genießen kann. Vor fünfzehn Monaten haben wir hier die sogenannte SWARCO Traffic World   in Betrieb genommen. Dies ist ein einzigartiger Ort, an dem wir unseren Besuchern kompakt zeigen können, wo die Kompetenzen von SWARCO liegen. Nämlich im Bereich der Verkehrssicherheit und des integrierten Verkehrsmanagements, das ist in diesem Raum sehr anschaulich erleb- und erklärbar. Wir schauen in die Vergangenheit und in die Zukunft, informieren über Forschungsthemen und zeigen, wohin die Reise geht bei der Vernetzung von Verkehrsinfrastruktur und Fahrzeugen. Wir nutzen diesen Raum auch immer wieder als Eventlocation.

Welche Rahmenbedingungen sind notwendig, um Ihren Standort für die Zukunft zu sichern?

Richard Neumann: Wir stehen im internationalen Wettbewerb und müssen uns den technologischen Herausforderungen, die sich im Bereich der Verkehrstechnik und der immer weitergehenden Vernetzung der Mobilität abspielen, gewachsen sein. Dazu braucht man gut ausgebildete Fachkräfte. Wir haben recht gute Rahmenbedingungen und finden auch die Fachkräfte, auch wenn wir teilweise über die Landesgrenzen hinausschauen müssen.

Worin sehen Sie mittelfristig die größte Herausforderung für Ihr Unternehmen?

Richard Neumann: Wir müssen uns ständig innovieren. Das bedeutet, technologisch Schritt zu halten mit dem sich doch schnell entwickelnden Markt der Mobilität des 21. Jahrhunderts. Das ist eine große Herausforderung, denn das Geschäft ist sehr schnelllebig. Es wird immer mehr vernetzt gedacht. Wir reden von der Infrastruktur, die mit dem Auto kommuniziert und umgekehrt. Sich gut aufzustellen, ist nötig und das tun wir durch die Kooperation mit Forschungsinstituten, Universitäten und mit den Top-Playern auf dem Markt. Wer weiß, ob in 20 bis 30 Jahren die traditionellen Produkte, die SWARCO heutzutage herstellt, nämlich z.B. Ampeln und Wechselverkehrszeichen, noch in dem Maße gebraucht werden, wie das heute der Fall ist. Viele Technologien wandern ins Auto, und wir als Ausstatter der Straßeninfrastruktur müssen ein großes Interesse daran haben, mit den Automobilherstellern gemeinsam Lösungen zu finden, um die Mobilität des 21. Jahrhunderts umweltschonend zu gestalten.

Welche Ansprüche stellen Sie an potenzielle Bewerber & Lehrlinge? Was bieten Sie Ihren Mitarbeitern?

Richard Neumann: Wir sind in Wattens kein Ausbildungsstandort. Wir suchen uns unsere Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt und brauchen die unterschiedlichsten Profile. Hier in der Konzernzentrale werden die zentralen Funktionen eines Großunternehmens erbracht, nämlich IT, Marketing und Kommunikation, Legal Affairs, Projektmanagement, Controlling, Finanzen, Buchhaltung, Human Resources. Wir beschäftigen an unserem Standort in Wattens hauptsächlich Akademiker und bieten ein sehr angenehmes Arbeitsumfeld. Wir sind, was den Arbeitsplatz angeht, auf dem neuesten Stand. Fast alle unsere Mitarbeiter arbeiten etwa mit Smartphones. Wir haben auch eine hausinterne Weiterbildungseinrichtung, die sogenannte SWARCO Academy, die u.a. dazu da ist, Talentmanagement zu betreiben. Wir halten in unseren Unternehmen Ausschau nach Talenten, die geeignet sind, Führungspositionen einzunehmen. Dazu haben wir maßgeschneiderte Ausbildungsprogramme, um aus den Talenten wirkliche Führungskräfte zu machen und ihre Stärken zu heben.

Worin gründet sich Ihr Erfolg?

Richard Neumann: Der Erfolg gründet sich einerseits darauf, dass Verkehrsinfrastruktur ein zeitloses Thema ist. Wir bewegen uns in einem Sektor, der abhängig ist von der öffentlichen Hand. Aber dennoch, Verkehrsinfrastruktur, Straßenausstattung, Kommunikationstechnologien werden stark nachgefragt und gebraucht. Das Thema Verkehrssicherheit ist ein Dauerbrenner, bei dem man nie genug tun kann. Und SWARCO hat es geschafft, sich mit fleißigen und kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern führende Positionen am Weltmarkt zu erarbeiten. Der Erfolg gründet sich auch auf einen sehr visionären und ständig an neuesten Markt- und Technologietrends orientierten Eigentümer der Gruppe, nämlich Manfred Swarovski. Er ist einer der Garanten dafür, dass SWARCO sich an die Anforderungen des Business anpasst und nach vorne denkt, um sich als innovatives Unternehmen am Markt zu behaupten.

Welche Maßnahmen setzen Sie in Bezug auf Umweltschutz und gute Nachbarschaft?

Richard Neumann: Unser Standort lebt von Dienstleistungen, und mit der Nachbarschaft haben wir ein sehr gutes Auskommen. SWARCO ist im Umweltschutz insofern tätig, als dass wir in ganz Tirol die Altglassammlung betreiben. Die Glascontainer, die in Tirol aufgestellt sind, werden von Mitarbeitern von SWARCO angefahren und entleert, und das Altglas wird der Herstellung von neuen Glasverpackungen zugeführt. Das ist umweltbewusst, denn 90 Prozent des Glases, das zur Herstellung von neuen Glasverpackungen benötigt wird, ist recyceltes Altglas. Wir versuchen auch umweltfreundlich unterwegs zu sein, indem wir die Elektromobilität in unserem Hause pflegen. Wir haben u.a. kürzlich ein Wasserstoff-Elektrofahrzeug angeschafft, aus dessen Auspuff als einzige Emission reiner Wasserdampf kommt. Mit energieeffizienter LED-Technik bei Verkehrssignalen und Straßenbeleuchtungen sparen wir im Vergleich zu konventionellen Lichtquellen bis zu 90% Energie ein.

 

Persönliche Fragen:

Ich lerne von…
… all den Menschen, die uns tagtäglich in der SWARCO Traffic World begegnen. Ich lerne von Kunden, weil ich der Überzeugung bin, dass Innovation nur aus dem Dialog mit den einzelnen Interessensgruppen in der Gesellschaft entstehen kann. Dazu ist die SWARCO Traffic World eine ideale Plattform.

Ich würde gerne erfinden…
… eine schnelle Lösung, mit der die Elektromobilität und damit das emissionsfreie Autofahren in kürzester Zeit in der Gesellschaft umgesetzt werden kann.

Ich freue mich auf …
… den Besuch der Gruppen, die zu uns kommen werden, um mehr über den Hidden Champion und Marktführer SWARCO zu erfahren.

Richard Neumann, M.A. – Head of Corporate Communication & Marketing
Richard Neumann, M.A. – Head of Corporate Communication & Marketing

SWARCO AG, Blattenwaldweg 8
6112 Wattens

office.ag@swarco.com www.swarco.com

Swarco

Kurz & bündig

Verkehrssicherheit und intelligentes Verkehrsmanagement: Fahrbahnmarkierungssysteme, LED-Ampeln und Wechselverkehrszeichen, Ladestationen für Elektrofahrzeuge, LED-Straßenbeleuchtung, Infrastruktur-zu-Fahrzeug-Kommunikation, Flottenmanagement für den ÖPNV, Autobahn- und Tunnelleitsysteme, Parkleit- und Parkraummanagementsysteme. Gründer und Eigentümer: Manfred Swarovski; Konzernumsatz 2016: 615,4 Mio. Euro (+5,8 % gegenüber dem Vorjahr); Mitarbeiter weltweit 2017: 3600, davon 75 am Konzernsitz in Wattens. Tochtergesellschaften: 80 in 25 Ländern; Globale Präsenz: in 70 Ländern.